Back to Nature

Beatrix Cometti ist unterwegs in Kanada und erzählt von Ihren Erlebnissen und Erfahrungen.

15.09.2019 – Back to Nature

Heute will mir Suzanne ihr neues Programm vorstellen und ich soll dann eine Stunde alleine «auf dem Land» verbringen. Damit meint sie, alleine an einem Ort rund um die Lodge bleiben und die Natur beobachten – und das mitten unter Bären, denke ich etwas genervt.

Aus den fünf Themen, die sie mir erklärt, wähle ich «Changes» aus. Alles verändert sich, Leben und Tod stehen eng beieinander, dem Kreislauf der Natur folgend.

Ein weiteres Thema war zum Beispiel: Vielfalt. Ohne Vielfalt stirbt vieles aus und gefährdet unser Weiterbestehen.

Zuerst führt mich Suzanne durch das Gelände der Lodge. Es ist ja schon eine Weile her, (2010) seit wir das letzte Mal hier waren. Barfuss (um einen guten Kontakt zu Mutter Erde zu bekommen) laufen wir durch die noch feuchtkalte Wiese, über die Holzbrücke, auf den steinigen und lehmigen, von Tannennadeln und Moos übersäten Waldwegen.

 

 

 

Ich soll Ausschau halten nach meinem «Platz», wo ich dann nachher die Natur beobachten will. Mir ist sofort klar – die kleine offene Wiese, direkt am Fluss – da gefällt es mir. Ich liebe es am Wasser zu sein und das Rauschen ist sehr beruhigend. So bringt mich Suzanne nach unserem Rundgang an meinen «Ruheplatz» und verabschiedet sich mit der Aussage, in einer Stunde wieder da zu sein.

Eine Stunde Natur pur

Ich setze mich auf den mitgebrachten Plastik-Sack, wickle den Regenponcho um meine Beine und die nackten Füsse. Ob ich kalte Füsse habe? Nein, eigentlich nicht – sie wärmen sich schnell unter dem Plastik. Und da ich regelmässig meine Barfuss-Spaziergänge mache – auch im Winter – bin ich es gewohnt.

Es könnte wieder regnen, der Himmel ist bewölkt und ich hoffe inständig, dass es trocken bleibt, so lange ich hier sitzen muss.

Ups, ich kann ja die Lodge von hier durch die Bäume sehen? Hm, soll ich den Platz wechseln? Nein, entscheide ich. Das gibt doch etwas Sicherheit und wenn der Bär wieder bei der Lodge auftaucht, wissen die wenigstens wo ich bin, denke ich mit Galgenhumor.

Ich rutsche hin und her, versuche eine bequeme Stellung und etwas ebenen Boden für meinen Po zu finden. Lehne mich an den Baum hinter mir. Einige tiefe Atemzüge bringen Entspannung. Ich schliesse die Augen und lausche dem glucksenden Rauschen des kleinen Flusses hinter mir.

Plötzlich schrecke ich hoch – bin ich etwa eingeschlafen? Suzanne hat mir später erzählt, dass sie dies öfter erlebt hat – vor allem bei gestressten Managern (dazu gehöre ich natürlich nicht ;-))– dass diese innert Kürze entspannt einschlafen.

Mit etwas schlechtem Gewissen setze ich mich wieder aufrecht hin und fange an, die Natur um mich herum zu beobachten. Blätter, Äste, Bäume, Gräser, Blumen werden von mir unter die Lupe genommen und analysiert. Ich lasse den Blick hin und her schweifen, beobachte, sehe, vergleiche. Eine kleine grüne Tanne steht mitten in rostbraun toten Bäumen – vermutlich vertrocknet in der Dürre der letzten Jahre. Leben neben Tod.

Ein kahler Rosenbusch weckt mein Interesse. Ein paar einsame reife Hagebutten-Früchte und halbvertrocknete Blätter zieren ihn nur noch. Herbst - Ernte und Tod zugleich, Winter – Ruhezeit, Frühling – neue grüne Blätter und Roseknospen, Sommer - die Rosen blühen und erfreuen uns. Ein ganzer Zyklus findet so statt.

Ich beobachte das Dickicht hinter mir. Eigentlich könnte das gut ein Bären Weg sein und einer dieser Spezies könnte plötzlich darauf auftauchen. Nein, denke ich, der riecht den Mensch «Frau» schon bevor er mich sieht. Mein roter Mantel ist ja zum Glück auch unübersehbar – rede ich mir beruhigend zu. Also weiter beobachten.

Hilfe – ein kratzendes Geräusch hinter mit. Erschreckt spüre ich, wie etwas gegen meinen Rücken klatscht – ich erstarre. Vorsichtig schaue ich nach hinten – flüchten ist wohl zwecklos. Und muss lachen. Suzannes Regenjacke, welche ich als Unterlage gebraucht hatte, hat sich gelöst und ist gegen meinen Rücken gepatscht. Uff, nochmals gut gegangen.

Da sehe ich plötzlich Suzanne mit einem Schmunzeln im Gesicht auf mich zukommen. Hallo, sagt sie und ich frage etwas erstaunt: «Stunde schon um»? «Ja» meint sie. «Oh, du hättest noch nicht kommen müssen – es fühlt sich grad alles so gut an». «Wie geht es dir? » – fragt sie. «Sehr gut. Ich habe wirklich alles um mich herum vergessen beim intensiven Betrachten der Natur rund um mich.

Dem sagt man auch – voll im hier und jetzt leben. Ein tolles Gefühl. Ohne dass ich es richtig bemerkt hatte, bin ich immer ruhiger geworden und eine tiefe Zufriedenheit, Ruhe und Freude hat sich in mir breitgemacht.

Danke dir, du herrliche und beruhigende Natur, dass du meine Gedanken für eine Stunde gefesselt und beruhigt hast.

Genau das, wollen wir mit unseren neuen Programmen bewirken. Dass die Menschen über die Natur wieder in die Ruhe finden. Und so werden sie sicher anschliessend die Ferien in Kanada noch mehr geniessen können.

Willi hatte heute «Männermorgen» mit Sequoyah. Muss wohl interessant gewesen sein, denn er kommt sehr zufrieden zurück.

Was ich heute erleben durfte – das wünsche ich Ihnen auch. Einfach mal abschalten und nichts tun, als die faszinierende Natur auf sich wirken zu lassen – und das mitten in der Wildnis Kanadas.

Herzlichst
Ihre Beatrix Cometti

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