Persönlicher Blog Beatrix Cometti – LockDown

LockDown - Aus dem Reisebüro-Leben.

LockDown – ein neues Wort? Nein, leider ein langer Zustand. Wie Beatrix Cometti als Reisebüro-Inhaberin diese Zeit erlebt, erzählt sie in diesem Blog.

März 2020: Was, Grenzen werden geschlossen? Flüge gestrichen? Plötzlich standen wir vor dem Problem, wie wir unsere Kunden nach Hause bringen. Dann folgte der wochenlange Lockdown. Immer wieder hoffen, dass die Grenzen aufgehen, doch es folgte die Enttäuschung, es bleibt alles zu bis Ende 2020.

Das war für unsere Branche sehr dramatisch. Trotzdem fand ich nach kurzen Downs immer wieder meinen Weg – dank meinem fast unerschütterlich grossen Urvertrauen und positiven Denken. Mir war klar, es hat alles seinen Grund und wir werden auch diese Krise überstehen.

 

Rückblick – April 2020

Gemütlich laufe ich mit meinem Hund von Kempraten nach Rapperswil. Beim Sonnenhof bleiben wir stehen – wir sind die einzigen an der Kreuzung. Kein Mensch weit und breit. Mir läuft es kalt über den Rücken, es fröstelt mich. In unserer Gasse sind alle Geschäfte zu, im Ladenlokal ist kein Pult besetzt als ich ankomme, kein freundliches «Guten Morgen» erwartet mich.

Mache mir in Ruhe meinen Grüntee und schaue etwas frustriert auf all die Kundendossiers, die nebeneinander, aufgestapelt nach Themen, auf dem Tisch liegen. Annullation – Umbuchung – noch zuwarten – mit Airline abklären usw. zeigen die Zettel an. Ich weiss kaum, wo anfangen, so alleine und auf Kurzarbeit. Das Schlimmste ist, dass ich oft überhaupt nicht weiss, was genau zu tun ist, denn ich will ja nicht, dass die Kunden oder das Reisebüro unter einem falschen Entscheid zu leiden haben. Ehrlich…, eine solche Situation hat es in meiner ganzen Reisebüro-Karriere von 32 Jahren noch nie gegeben.

Ich versuche, bei unseren Geschäftspartnern und Ticketshops Hilfe zu bekommen. Auch da werden Schultern gezuckt – «tut uns leid – wir müssen abwarten», keiner weiss im Moment, was zu tun ist, die Verunsicherung ist gross. Wir warten oft wochenlang auf schriftliche Antworten. Nur langsam bekommen wir mehr Klarheit, nach langen Wartezeiten am Telefon, stundenlang Mails und Infos lesen und diversen Erkenntnissen. All das ist wirklich ermüdend und nimmt Energie. Wenn ich gegen Abend das Büro verlasse bin ich einfach nur «nudelfertig» und froh, bald zuhause zu sein. Zum Glück kommt ab und zu Livia, eine Studentin, zum Helfen vorbei. Ich schätze ihre Gesellschaft im Büro, denn das ewige Alleinsein kratzt an meinem Nervenkostüm. Sich immer mit Annullationen und Problemen zu beschäftigen ist keine unterstützende Energie. Was mir wirklich fehlt sind die schönen Momente im Reisebüro. Glücklich leuchtende Augen von  Kunden, wenn wir eine tolle Reise zusammengestellt haben. Herausfordernde Reisewünsche, die wir alle unter einen Reisehut gebracht haben.

So ging es mehrere Wochen, bis endlich im Juli immer mehr Klarheit herrschte. Die Airlines starteten mit Rückvergütungen, die Dossiers 2020 sind fast alle annulliert und viele Abrechnungen stehen an. Natürlich war es ein Schock, als wir realisieren mussten, dass im 2020 keine Reisen mehr möglich sein werden. Da wurde es uns schon etwas mulmig.

Fazit

Zuhause arbeiten, die erzwungenen freien Tage und die Ruhe haben mir gutgetan. Privilegiert mit Hund, genoss ich lange Spaziergänge in der Natur – mit viel Zeit zum Nachdenken, Überdenken, Analysieren. Wie soll es weitergehen?

Mein Motto ist: Vertrauen und Weitermachen. Überprüfen was aussortiert werden muss und welche Wege überdacht werden müssen. Aufräumen, neu organisieren und entsorgen. So nutzten und nutzen wir die Zeit, auch um Programme, die schon lange in der Schublade liegen, endlich für den Marktauftritt aufzubereiten.

Mir ist bald klar geworden, es kommen wichtige Veränderungen auf uns zu. Ich war es schon immer und bin persönlich der Meinung, es muss im Bereich Reisen zu einer Änderung des Verhaltens und einer neuen Einstellung kommen. Reisen ist kein Konsumartikel, sondern etwas sehr Wertvolles, das den Menschen viel gibt. Dies ist leider immer mehr in Vergessenheit geraten, aber ich denke und glaube daran, dass der LockDown in vielen Menschen etwas bewegt. Und ich hoffe sehr, dass wir zur Erkenntnis kommen,

Reisen muss wieder möglich sein.

Seit August werde ich von zwei neuen Mitarbeiterinnen unterstützt. Das ist eine wirklich grosse Erleichterung. Die Arbeit ist zwar nicht weniger geworden, obwohl viele Dossiers inzwischen erledigt sind. Aber immer noch haben wir viele Fälle, bei denen einiges in Abklärung ist.

Kundenloyalität

Schön und erfüllend ist und war jedoch, dass ich während dieser Zeit einmal mehr spüren durfte, wie loyal unsere Kundschaft ist. In vielen Mails sowie guten Telefongesprächen durfte ich Unterstützung und Verständnis erfahren. Das hat mir sehr gutgetan und ich schätze es wirklich sehr. An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals ganz herzlich bei all diesen Kunden.

Was wir jetzt brauchen ist die Hilfe unserer Kunden - Ihre Fairness, Geduld, Verständnis. Es tut der Seele gut immer wieder zu erfahren, dass viele Kunden unsere Situation gut einschätzen können und bereit sind, uns entgegenzukommen – herzlichen Dank aus tiefstem Herzen.

Ihre Beatrix Cometti

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