Schier einsam, auf Umwegen zurück nach Kanada

Ein Bericht von Katharina und Theodor Temperli, Inhaber der Tetachuck Wilderness Lodge in Vanderhoof BC, Kanada

Eine Rückreise unter erschwerten Bedingungen

Theo und ich haben den Winter in der Schweiz verbracht, unter anderem, um unsere Lodge in Kanada zu vermarkten. Wer hätte an der Ferien Messe in St. Gallen, wo wir am Stand von Beatrix Travel zu finden waren, daran gedacht, dass es ein ganz spezielles Jahr werden wird?

Unser voller Terminkalender für die Schweiz wurde ab Mitte März leer. Keine Besuche mehr, „bleibt zu Hause“ war die Anweisung des Bundesrates.
Dazu kam die Ungewissheit wann, wie und ob wir zurück nach Kanada reisen dürfen. Zuerst stand da die Frage, ob unser Sohn retour kann aus Neuseeland, wo er seine Flitterwochen verbrachte. Sie haben es geschafft, mussten aber 3 Wochen früher retour kommen und wurden während der Reise umgebucht.

So zogen wir aus der Stadt Zürich in eine Ferienwohnung in Graubünden um und konnten dort wenigstens schöne Spaziergänge in der umliegenden Umgebung unternehmen – dann wurden auch unsere Retourflüge nach Kanada umgebucht, storniert.

Trin Mulin, Graubünden

Kanada schloss die Grenzen bis Ende Juni 2020. Es durften nur noch Kanadier oder Ausländer mit fester Aufenthaltsbewilligung zurück nach Kanada reisen. Wir haben jedoch „nur“ eine gültige Arbeitsbewilligung – somit war für uns die Einreise nicht mehr möglich. Ein Lichtschimmer am Horizont dann die Meldung, dass auch diese gültig sein könnte. Doch es gab noch keine offizielle Bestätigung der Regierung. Nach längerem Warten kam endlich die definitive Entscheidung: Studenten und Leute mit einer Arbeitsbewilligung dürfen auch einreisen!

Wir entschieden uns, schnell zu handeln, bevor die Bestimmungen wieder gestrafft würden und buchten unsere Flüge neu. Am Telefon mit Air Canada mussten wir feststellen, dass diese noch nichts von der neuen Bestimmung wussten! Sie waren sehr strikt und buchten keinen Flug für uns. Es hiess also wieder „warten“.

Eine Woche später klappte es schliesslich, wir konnten auf den 4. April 2020 einen Flug via London nach Vancouver buchen. Doch es ist nichts mehr sicher…, 2 Tage vor der Abreise wurde dieser wieder von Air Canada umgebucht und es ging neu via Frankfurt, Montreal nach Vancouver – aber Hauptsache, wir können fliegen!

Auf den Flughäfen herrschte Trauerstimmung. Fast menschenleer, alles abgeschlossen, kein Anstehen, weder beim Check-in noch beim Security Check. Nicht einmal das obligate Abschiedsbier war möglich...

Ein grosser Schreck folgte nach Ankunft in Frankfurt: Am Flughafen waren plötzlich unsere Boarding Karten nach Vancouver vom Handy verschwunden! Wir wurden nach unserem Status gefragt und zeigten unsere Arbeitsbewilligung. Der Airline-Mitarbeiter musste etliche Leute fragen, bis er die Bestätigung erhielt und uns neue Boarding Karten ausstellte.

Beim Einchecken dann noch einmal dasselbe: Nein, „Arbeitsbewilligung“ steht nicht auf der Liste... Wieder fragen, aber es klappte wir konnten endlich weiterfliegen. Plötzlich waren auch unsere Boarding Karten wieder auf dem Handy – wie von Geisterhand!

Auf dem Flug von Frankfurt nach Montreal waren wir gerade mal 21 Passagiere, was für uns den Vorteil brachte, dass wir auf einen Economy Plus Sitz wechseln durften. Das Essen entsprach nicht dem „Plus“ Level, wir erhielten nur ein Lunch Paket mit einigen Snacks und zum Trinken servierten sie uns Wasser. Auf dem Weiterflug nach Vancouver waren auch nur 40 Passagiere, also Social Distancing sehr einfach zum Einhalten.

Am Zoll in Montreal ging alles sehr einfach. Wir wurden nur gefragt, ob wir gesund seien und uns klar sei, dass wir 14 Tage in Quarantäne müssten. In Vancouver angekommen, gab es überhaupt keine Kontrollen mehr. Das Gepäck war zum Glück da und wir so froh, endlich in Kanada zu sein.

Ja und da sind wir nun seit dem 4.4.20 und leben in Vancouver. Zum Glück haben wir ein sehr schönes Airbnb gefunden, umgeben von einem Zedernwald und begrenzt von einem Bach. So fühlten wir uns naturnah. Das wunderschöne Wetter und ein grosser Balkon machten das „eingesperrt“ sein erträglich. Die Gastgeber haben für uns eingekauft und wir hatten wirklich keinen Kontakt nach Aussen. An Ostern hat uns die 12jährige Tochter 2 Stück Carrot Cake und Lindt Ostereili vorbeigebracht. Dies half sehr, unsere leicht depressive Stimmung aufzuheitern. Wir versuchten uns täglich an den Wundern der Natur zu erfreuen. Der Frühling hat sich mit grossen Schritten entfaltet in Vancouver. Es grünt und blüht.

Fruehling West Vancouver

Aber das war ja noch nicht unsere Enddestination. Der Flug nach Prince George wurde auch umgebucht und da die Seen im Norden noch gefroren sind beschlossen wir, bis Ende April den Frühling in Vancouver zu geniessen. Leider konnten wir nicht mehr in derselben Wohnung bleiben und mussten noch einmal umziehen (zum 4. Mal in dieser Wintersaison). Nun haben wir eine wunderschöne Aussicht auf das Meer und Vancouver, eine grosse Terrasse, sowie den Wald gleich angrenzend. Leider hat das Wetter umgeschlagen und so sind wir nun doch wieder ans drinnen sein gebunden.

Aussicht Vancouver

Es ist sehr speziell, drei Wochen in Vancouver zu verbringen und nirgends hingehen zu können. Fast alle Parks sind geschlossen und natürlich auch die Geschäfte, Museen und Restaurants.

Nun hoffen wir, dass es am 29.4. klappt und wir nach Prince George umziehen können, dass der Frühling im Norden endlich kommt und das Eis schmilzt, damit wir zur Tetachuck Wilderness Lodge reisen dürfen.

Natürlich zählen wir darauf, dass wir eine gesunde Saison geniessen dürfen zusammen mit unseren Kunden.

Wie am Anfang erwähnt, wer hätte es gedacht, dass...

Herzlichst, Katharina und Theodor Temperli

Comments are closed.